Lehrkräfte des GEO erhalten Jahrespreis der Henning von Burgsdorff Stiftung für außergewöhnliches Engagement im Rahmen des „Erinnerungsgangs 2021“

Ein Rückblick: Im November 2021 gestalteten Schülerinnen und Schüler des GEO, unterstützt von zahlreichen Lehrkräften aus verschiedenen Fachgruppen, den jährlichen „Erinnerungsgang“, bei dem der Weg beschritten wird, den die jüdischen Männer im Zusammenhang mit dem Pogrom 1938 von der Polizeikaserne zum Gerichtshof nehmen mussten. Frau Gottwald, Herr Rosenfeld und Frau Dr. Wehen-Peters wurden nun für das von ihnen entwickelte Gesamtkonzept zum „Erinnerungsgang“ mit dem Jahrespreis der Henning von Burgsdorff Stiftung ausgezeichnet.

Die Stiftung, die mit dem Niedersächsischen Geschichtslehrerverband kooperiert, zeichnet Lehrerinnen und Lehrer des Faches Geschichte unter anderem für außergewöhnliches Engagement in fachübergreifenden Projekten zur Förderung des Geschichtsbewusstseins aus, da es im Schulbereich generell wenig Anreize für gute pädagogische Arbeit gibt. Durch den Jahrespreis sollen Lehrkräfte eine öffentliche Anerkennung für ihre Arbeit erhalten.

Gottwald, Rosenfeld und Wehen-Peters bildeten das Organisationsteam, das zunächst ein Gesamtkonzept für die Gestaltung des „Erinnerungsgangs“ entwickelte und bereits Ende 2019 die Arbeit aufnahm. Wichtig war ihnen, kein Erinnern „zu verordnen“ und womöglich oberflächlich zu moralisieren, sondern ein Projekt für möglichst alle Jahrgänge auf die Beine zu stellen, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler mit den historischen Ereignissen auseinandersetzen und zu eigenen Schlussfolgerungen gelangen.

Den drei Lehrkräften waren dabei einige Schwerpunkte aus der sogenannten Holocaust-Education besonders wichtig: Jüdisches Leben sollte in seiner gesamten Vielfalt und nicht nur reduziert auf die Opferrolle bzw. die Zeit zwischen 1933 und 1945 wahrgenommen werden. Hierzu sollten jüdische Familien aus Oldenburg porträtiert werden, um sie mit ihren individuellen Geschichten wieder sichtbar werden zu lassen. Zur Vorbereitung recherchierte das Organisationsteam in den wissenschaftlichen Bibliotheken sowie im Archiv, wählte geeignete Materialien zur Arbeit mit Schülergruppen aus und war in der Folge vor allem dafür verantwortlich, die Fäden in der Hand zu halten, um ein rundes Gesamtpaket auf die Beine zu stellen.

Dies gestaltete sich durchaus herausfordernd, da neben den außerschulischen Partnern, zu denen u.a. die Landesbibliothek, die jüdische Gemeinde, der Arbeitskreis Erinnerungsgang e.V., der Verein Werkstattfilm, das Kulturbüro der Stadt Oldenburg, das Cine K, Oeins und die Katholische Gemeinde St. Stephan gehörten, auch knapp 30 Lehrkräfte sowie 450 Schülerinnen und Schüler des GEO aktiv in die Gestaltung des Erinnerungsgangs einbezogen wurden.

Unter dem Motto „Mehr als ein Stern“ entstanden mehrere Ausstellungen mit historischen und künstlerischen Ergebnissen, Inszenierungen, eine Podcast-Reihe, ein „Kultureller Abend“ mit beeindruckender Lesung eines Zeitzeugen-Berichts und Klezmer-Musik, der Schweigemarsch selbst sowie eine Abschluss-Veranstaltung, auf der beteiligte Schülerinnen und Schüler ihre Erfahrungen reflektierten. Wichtige durch das GEO gestaltete Programmpunkte wurden zudem von zwei Schülern  aufwändig filmisch festgehalten und vom Lokalsender Oeins veröffentlicht.

Gottwald, Rosenfeld und Wehen-Peters dokumentierten für ihre Bewerbung um den Jahrespreis der Henning von Burgsdorff Stiftung alle Veranstaltungen und Ergebnisse des „Erinnerungsgangs“ umfangreich, begründeten ihre entwickelten didaktischen Grundsätze und beurteilten die Umsetzung durch die Schülerinnen und Schüler.

Das Kuratorium der Stiftung beschied den Lehrkräften eine „gelungene Förderung des Geschichtsbewusstseins auf Seiten der beteiligten Schülerinnen und Schüler“ und stellte weiterhin fest: „Aus einem Anlass, der auch pflichtgemäß und aufwandarm abzuhandeln gewesen wäre, ist dank des Engagements der drei Lehrkräfte ein vielschichtiges erinnerungs­kulturelles Projekt vor Ort entstanden, das wichtige Facetten einer modernen Erinnerung an jüdisches Leben in Deutschland aufgegriffen und in vielfältiger und überaus gelungener Weise rekonstruiert und dargestellt hat.“

Alle drei Lehrkräfte freuen sich über diese Anerkennung und blicken mit Freude zurück auf ein auch aus ihrer Sicht gelungenes Projekt, das am und mit dem GEO realisiert werden konnte!

Weitere Informationen:

Text: Wehen-Peters

Foto: Lemke