Gedenken an Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen in Oldenburg

Wie im gesamten Bundesgebiet kam es auch in Oldenburg am 9./10.11.1938 zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, privates und geschäftliches Eigentum wurde zerstört und jüdische Kultureinrichtungen wurden angegriffen. 

Die Synagoge der jüdischen Gemeinde, die in der Peterstraße stand, und an deren damaligen Standort heute ein Mahnmal erinnert, wurde Opfer der nationalsozialistischen Ausschreitungen und ging in Flammen auf. Die männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden am 9.11.1938 verhaftet und am 10.11.1938 in aller Öffentlichkeit von der Polizeikaserne durch die Innenstadt zum Gerichtsgefängnis getrieben. Einen Tag später wurden die Oldenburger Juden hauptsächlich in das KZ Sachsenhausen deportiert, die meisten wurden nach einer kurzen Inhaftierung wieder entlassen. 

Doch für die meisten Oldenburger Familien, soweit sie nicht kurz nach den Ereignissen im November 1938 ins Ausland flohen, war dies erst der Beginn von staatlich organisierter Ausgrenzung, Verfolgung, Deportation und Ermordung. Sowohl diejenigen, die in Oldenburg oder der näheren Umgebung blieben, als auch diejenigen, die sich in eine vermeintliche Sicherheit in den angrenzenden Niederlanden begaben, wurden im späteren Verlauf in Vernichtungslager wie Auschwitz, Sobibor oder Treblinka deportiert und fanden dort den Tod.

Schülerinnen und Schüler der Geschichts-AG sowie aus dem neunten Jahrgang und der Klasse 5b haben sich mit ausgewählten jüdischen Biografien befasst. In den folgenden Videos berichten sie – jeweils adressiert an unterschiedliche Altersstufen – von den Lebenswegen, die mit der Stadt Oldenburg und der vor Ort stattgefundenen Verfolgung verknüpft sind.

Am 09.11.2020 gedenken wir der vorgestellten Familie Gerson, Leopold Liepmann und seiner Familie sowie allen jüdischen Mitbürgern Oldenburgs und all jenen, die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen wurden.

Hierzu haben Schülerinnen und Schüler der AG Plakate mit Lebensdaten und zum Teil Fotos ausgewählter jüdischer Bürger Oldenburgs erstellt und an verschiedenen Stellen in den Schulgebäuden ausgehängt.

Diese Plakate entstanden in Anlehnung an die sogenannten „Stolpersteine“, die in vielen Orten zum Gedenken an die Verfolgten  vor den ehemaligen Wohnhäusern jüdischer Mitbürger verlegt wurden.

 

Beim jährlichen „Erinnerungsgang“ wird der Weg, den die jüdischen Mitbürger am 10. November 1938 von der Polizeikaserne durch die Innenstadt zum Gerichtsgefängnis nehmen mussten, von Erinnernden beschritten, um an die öffentliche Demütigung  zu erinnern. In diesem Jahr kann der Erinnerungsgang nicht wie gewohnt stattfinden, ein Teil der begleitenden Aktionen soll aber demnächst hier eingestellt werden.

Im Jahr 2021 wird der Erinnerungsgang von Schülerinnen und Schülern des GEO gestaltet, begleitet vom Arbeitskreis Erinnerungsgang und unterstützt von der Landesbibliothek und der Stadt Oldenburg.

Text: Frau Gottwald, Fotos: Frau Dr. Wehen