Hubertus Koch präsentiert Film über Syrien am Gymnasium Eversten

Der junge, freiberufliche Filmemacher aus Köln, der im Frühjahr 2014 in Syrien den Film „Süchtig nach Jihad“ drehte, war am Donnerstag, den 16. Juli, zu Besuch am Gymnasium Eversten

 

„Authentizität ist die bessere Wahrheit.“

Mit dieser Einstellung begeisterte Hubertus Koch den zehnten und elften Jahrgang des Gymnasiums Eversten. Sowohl bei der Vorführung des Films „Süchtig nach Jihad. Der Film eines kleinen Jungen“ als auch bei der anschließenden Podiumsdiskussion waren das Interesse und die Aufmerksamkeit der Schüler gesichert.

 

Im Frühjahr 2014 begleitet Koch den in Syrien geborenen Münchner Mahmoud Dahi bei der Überführung zweier Rettungsfahrzeuge in das syrisches Flüchtlingslager Bab Al-Salameh nahe der türkischen Grenze. Mit seiner Kamera hält der Student fest, wie er mit einer schockierenden Realität konfrontiert wird. Das Ergebnis seiner Dreharbeiten veröffentlicht er im Dezember 2014 in sechs Teilen auf Youtube.

Sehr authentisch und auch zynisch und anklagend gibt Hubertus Koch einen Einblick in das Leben im für uns fernen Syrien und bringt es so auf eine ganz andere Art und Weise an uns heran. Der „kleine Junge“ ist Koch selbst, dessen Blick auf die Welt sich durch das Erlebte verändert.

„Eigentlich wollte ich Sportreporter werden, aber plötzlich war Fußball banal. Ich habe mich drei Monate vorbereitet und wusste, da gibt es Kindersoldaten, da gibt es ein Lager ohne Strom, ohne Wasser, wo alle möglichen Krankheiten wüten und wo es den Leuten extrem schlecht geht. Aber wenn du dort stehst, dann ist es einfach was komplett anderes“, erzählt er.

Sein Film nimmt die Schülerinnen und Schüler mit auf diese Reise und konfrontiert auch sie in seiner ganz eigenen Dramaturgie und Sprache mit dem Elend des Flüchtlingslagers, mit Bildern des zerstörten Aleppos, mit der Bedrohung durch den IS, mit Angst, Krankheit, dem Mangel an medizinischer Versorgung, Nahrung, sauberem Trinkwasser und Obdach. Durch die persönlichen Begegnungen, die er festhält, erhält das Schicksal ein Gesicht.

„Süchtig nach Jihad“ ist Mahmoud Dahi, der seinen eigenen Jihad, seine „Anstrengung auf dem Wege Gottes“, darin sieht, immer wieder Hilfsgüter nach Syrien zu bringen oder Projekte wie ein Waisenhaus zu realisieren, die er über Spenden an seinen Verein „spendahilfe.de“ finanziert. Damit ermöglicht Koch den Schülerinnen und Schülern auch einen differenzierteren Blick auf den Begriff, der häufig als Synonym für Krieg verstanden wird.

 

Wer es schafft, dem syrischen Elend zu entfliehen, strandet auch in Oldenburg.

Die auf den Film folgende Gesprächsrunde moderieren die Abiturientinnen Lea Schlüter und Eliane Brandes. Ehrenamtliche Helfer aus Oldenburg und Bad Zwischenahn schildern, wie einfach es ist, auch mit kleinen Schritten Unterstützung zu leisten, wie nötig diese ist und wie dankbar sie angenommen wird: Deutschunterricht für diejenigen, die keinen Anspruch auf einen Sprachkurs haben, Partnerschaften zwischen Oldenburger Familien und Flüchtlingsfamilien, als Integrationslotse bei Behördengängen und Arztbesuchen Unterstützung leisten oder eine Einladung, gemeinsam in der Uni Sport zu treiben („Refugies welcome in Sports“). Aus dieser Runde konnten die Schüler nicht nur neue Informationen zum Thema Flüchtlinge ziehen, sondern wurden auch dazu angeregt, sich selbst in Oldenburg zu engagieren. Denn in einem Punkt waren sich alle Gesprächspartner einig: Helfen ist ganz einfach! Wer Hilfe leisten wolle, finde Unterstützung und Kontakte über den Oldenburger Verein IBIS e.V.

 

Kochs Film rüttelt auf. Er hat ihn frei zugänglich ins Internet gestellt, um eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen, und will seine eigene Generation damit ansprechen – vor allem diejenigen, wie er zu Beginn der Veranstaltung erklärt, die sich eigentlich gar nicht für Politik interessieren. Am 9. August 2015 wird eine Fernseh-Version des Dokumentarfilms im WDR zu sehen sein.

 

Lea Schlüter, Eliane Brandes, Bärbel Kip