Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Am 26.06.2015 besuchten die Geschichtskurse von Herrn Rosenfeld und Herrn Steinberg die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg.

Nach unserer Ankunft wurden wir von zwei netten jungen Damen empfangen, die uns einen kurzen Film über die Geschichte des KZ’s vorführten:

Das KZ Neuengamme wurde 1938 von der SS als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet. 1940 wurde es dann ein eigenständiges KZ. Bis 1945 war es das zentrale und damit das bedeutendste Konzentrationslager in Nordwestdeutschland.

Die dort inhaftierten Männer, Frauen und Kinder waren meist politische Gegner, die in besetzten Gebieten Widerstand gegen die deutsche Besatzungsherrschaft und gegen Zwangsarbeit geleistet hatten oder aus rassistischen Beweggründen verfolgt wurden. Für uns war es interessant zu hören, dass nicht nur Juden in diesem KZ inhaftiert waren, sondern hauptsächlich die Menschen, die sich gegen das Regime aufgelehnt hatten.

Bis 1945 wurden 42.900 Todesfälle im Hauptlager vermerkt; nur etwas mehr als die Hälfte der Ermordeten konnte bisher identifiziert werden.

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Nach dem Film wurden unsere Klassen aufgeteilt. In Kleingruppen sollten wir zunächst einen Vortrag erarbeiten und diesen dann später vor der Klasse halten.

Es wurden Bilder aus dem Lager aufgehängt, und jede Gruppe sollte sich eines aussuchen. Nach einer kurzen Besprechung der Abbildung und des Themas, welches sich dahinter verbarg, begann für uns die wirklich spannende Phase: Die Selbsterkundung des KZs. Mithilfe eines Audioguides suchten wir wichtige Informationen zu unserem Gebäude oder Gegenstand herauszufinden.

Unsere Recherche auf dem Gelände führte uns auch in die Ausstellung „ Zeitspuren“. Sie dokumentiert den Prozess der Dehumanisierung – Verbrechen an den Häftlingen und Schilderungen des Alltags in Neuengamme – und half uns sehr, das hier Geschehene besser zu verstehen. Dabei berührte uns insbesondere das Schicksal einzelner Personen. Ihre Namen zu lesen, ihre Gesichter auf Bildern zu sehen und zu wissen, dass sie ihren Aufenthalt im KZ nicht überlebt haben, löste in allen von uns ein bedrückendes Gefühl aus.

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Nach der Ausstellung begann jede Klasse einen Rundgang über das Gelände, bei welchem die Kleingruppen an ihren Stationen dem Rest der Klasse die neuerworbenen Informationen vortrugen. Die Stationen und Themen waren unter anderem die Häftlingsküche, mit dem Thema „Ernährung im KZ“, das Klinkerwerk, der Transport der Häftlinge in einem engen Zug, Thema „Frau im KZ“ sowie das Kommandantenhaus und der „ Todeszaun“, an dem viele Inhaftierte bei einem Fluchtversuch oder Selbstmord ihr Leben verloren. Den Vortragenden folgten wir mit großem Interesse und versuchten zu verstehen, was damals im Lager geschehen ist.

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Ganz zum Schluss besuchten wir das „ Haus des Gedenkens“. Hier ist die Ermordung von ca. 25.000 Menschen von 1938-1945, nach Todesdatum sortiert, dokumentiert. Dort zu stehen und diese Namen zu lesen war ein sehr bewegendes Gefühl und beeindruckend für die ganze Klasse. Man muss davon ausgehen, dass nur etwa die Hälfte aller Todesopfer hier verewigt sind. – Dies ist kaum zu glauben.

Für uns als Klasse war das schlimmste Gefühl zu wissen, dass wir zu Besuch sind – wir können kommen und gehen wie wir es wollen. Die Häftlinge wussten nicht, ob sie jemals wieder frei sein würden.

Der Besuch in der KZ- Gedenkstätte Neuengamme war eine spannende und bewegende Erfahrung, die uns geholfen hat, zu realisieren, dass das alles wirklich passiert ist.

Ein großer Dank geht an die beiden Guides, die uns auf alle Fragen Antworten gegeben haben und sehr freundlich waren. Und an Herrn Rosenfeld und Herrn Steinberg, die es uns ermöglicht haben, unseren eigenen Weg durch ein Konzentrationslager zu gehen.

Antonia Ratusinki, 10e