Vernetzte Sicherheit

“Was verbirgt sich konkret hinter dem zentralen Begriff der vernetzten Sicherheit und vor allem, wie kann der wissenschaftlich theoretische Begriff sinnvoll in konkretes politisches Handeln umgesetzt werden?”

So lautete die Leitfrage zum Vortrag von Dr. Dieter Budde, Politikwissenschaftler und Generalmajor a.D. am 14 März 2012 im PFL zum Thema “Vernetzte Sicherheit – Vernetzte Sicherheitspolitik”. Ein Thema, das besonders für uns vom Politik-LK von großem Interesse ist, handelt es sich dabei doch um einen zentralen Begriff aus den Schwerpunkten unseres Abiturs.

Doch nicht nur für uns als Prüflinge auf dem Gebiet sollte sich die Veranstaltung als höchst interessant erweisen. Denn die Frage danach, wie in unserer modernen Welt für Sicherheit gesorgt werden kann, geht uns schließlich alle etwas an! Mit den Worten “In Afghanistan droht ein Debakel. Im Vorderen Orient drohen Krieg und Revolutionen. In Afrika verhungern Tausende Menschen. China kauft Teile der Welt auf. Europa ist eine Krisenregion: Schuldenkrise, Bakenkrise, Staatskrise, Vertrauenskrise” beginnt Dieter Budde an diesem Abend einen Vortrag, in dem sehr deutlich wird, dass “Sicherheit” in der heutigen Welt ganz anders und viel weiter definiert werden muss als das noch zu Zeiten den kalten Krieges nötig war.

So bedroht uns heute zwar nicht mehr der Super-Gau durch einen Atomkrieg zweier Großmächte, dafür brechen aber an vielen Stellen mehr oder weniger kleine Konflikte auf, die nicht nur die Bundeswehr vor große Herausforderungen stellen.

In einem recht abstrakten Vortrag geht Dieter Budde darauf ein, wo genau die Gefahren in unserer modernen Welt lauern, zu denen eben z.B. auch Migration, die ungerechte Vermögensverteilung oder der Klimawandel gehören und zeigt gleichzeitig auf, wo und wieso vernetzte Sicherheit notwendig ist.

Konkret stellt Budde fest, dass Sicherheit in der Welt eben nicht mehr alleine militärisch herzustellen ist und stellt unter anderem die Forderung, dass mehr gegen die Ungerechtigkeit getan werden müsse und man auch aus sicherheitspolitischen Gründen Menschen in benachteiligten Ländern Chancen geben müsse.

Der aus meiner Sicht kontroverseste und vielleicht auch interessanteste Teil des Vortrags war die Feststellung Buddes, im Gegensatz zur FREIHEIT sei SICHERHEIT kein Grundrecht in Deutschland, was den einen oder anderen von uns schon ins Grübeln gebracht hat.

Gemeint war hier aber wohl zumindest auch, dass das Bestreben für Sicherheit zu sorgen nicht anderen politischen Entscheidungen im Weg stehen sollte, einer weiteren Forderung Buddes.

Dass die Theorie bisweilen aber auch an ihre Grenzen stößt zeigte die angeregte Diskussion im Anschluss. So kam z.B. die Frage auf, ob man die Piraten in Somalia nicht auch an Land bekämpfen sollte und inwieweit ein solcher Einsatz überhaupt sinnvoll sein könnte.

Die sinngemäße Antwort, mit dem Völkerrecht in Einklang zu bringen wäre eine solche Aktion wohl kaum, aber da sowohl die alten Chinesen als auch die Hanse ihr Piratenproblem durch rohe Gewalt lösen konnten wäre ein Erfolg sicherlich nicht auszuschließen, hat dann zumindest bei mir ein leichtes Schmunzeln ausgelöst.

Das Thema verspricht aber auf jeden Fall spannend zu bleiben.

Während des Vortrags und besonders auch im Rückblick konnten wir feststellen, das ein Großteil des Inhalts für uns (zum Glück) nicht neu war, was uns im Hinblick auf das Abitur dann doch alle ein wenig erleichtert hat.

Nach dieser durchweg positiven Erfahrung kann ich es mir gut vorstellen, die Vortragsreihe der “Gesellschaft für Wehr und Sicherheitspolitik e.V.” auch weiterhin zu besuchen.

Alle Vorträge sind öffentlich, weitere Informationen können bei Interesse unter gfw-oldenburg@kabelmail.de erfragt werden.