Latein

Latein – eine tote Sprache?

Auch wenn niemand mehr Latein als Muttersprache spricht, so finden dennoch wichtige europäische Sprachen ihren Ursprung im Lateinischen:

Latein

Italienisch

Spanisch

Französisch

Englisch

humanitas

l’ umanità

la humanidad

l’ humanité

humanity

vinum

il vino

el vino

le vin

wine

vivus

vivo

vivo

vif, vive

vivid

Neben dem gemeinsamen Wortschatz basiert auch die Grammatik vieler dieser Sprachen auf der lateinischen. Darüber sollte man sich nicht weiter wundern, wenn man die Ausmaße des römischen Reiches bedenkt, innerhalb dessen Grenzen unterschiedliche Dialekte des gesprochenen Lateins entstanden, aus denen viele Tochtersprachen hervorgegangen sind.

Latein als Fremdsprache

  1. Latein ist eine gute Grundlage für das Erlernen moderner romanischer Sprachen (Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch) sowie eine Hilfe für den englischen Wortschatz.
  2. Latein ist eine Voraussetzung für viele Studiengänge, die das Latinum entweder erfordern oder für die Lateinkenntnisse zumindest empfohlen werden:
    •  Allgemeine Sprachwissenschaft
    • Literaturwissenschaft
    • Amerikanistik (Geschichte, Sprache und Kultur der USA)
    • Ägyptologie (Kultur und Sprache des alten Ägypten)
    • Anglistik (englische Sprache und Literatur), Germanistik (deutsche Sprache und Literatur), Romanistik (Französisch, Spanisch, Italienisch)
    • Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft
    • Archäologie (Altertumswissenschaft), Geschichte, Kunstgeschichte
    •  Jura (Rechtswissenschaft)
    • Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie (Arzneimittelkunde)
    • Musikwissenschaft
    • Philosophie, Theologie, Pädagogik (Erziehungswissenschaft)
  3. Latein fördert Genauigkeit, Konzentration und logisches Denken in einer Zeit, in der aktuelles Wissen immer schneller veraltet und es deshalb umso stärker auf die Vermittlung grundlegender Arbeitstechniken ankommt.
  4. Latein verhilft zu einem besseren Verständnis für moderne Fremdwörter.
  5. Latein fördert das deutsche Sprachbewusstsein.
  6. Latein führt ein in eine neue Welt. Antikes und Modernes sowie allgemeingültige Werte unserer europäischen Kultur können wahrgenommen werden, so dass sowohl die Allgemeinbildung erweitert als auch die Geschichte erfasst wird.
  7. Latein ist eine gute Unterstützung für das Lösen zahlreicher Fragen der Quizsendung „Wer wird Millionär?“.

Merkmale, Arbeitsweisen und Anforderungen

  • Unterrichtssprache Deutsch
  • keine Probleme mit Aussprache und Schreibweise
  • Arbeit mit lateinischen Texten: Analysieren von Formen, Wortgruppen und Sätzen
  • Schulung von Konzentration, Genauigkeit, analytischem Denken, aber auch Förderung von Kreativität und Eigeninitiative
  • historisch ausgerichteter Unterricht mit Bezug zur Gegenwart: das antike Leben im Mittelmeerraum; Einblicke in andere Lebenswirklichkeiten, Denk- und Verhaltensmodelle; Beschäftigung mit zivilisatorischen, literarischen, künstlerischen und technischen Errungenschaften der Antike

 Günter Jauch über Latein

Ich beobachte oft, dass in Latein kundige Menschen, die Latein können, zugleich eine ausgeprägte Fähigkeit zu analytischem Denken und logischer Argumentation haben.

Bei meinen Töchtern scheint mir, dass sie das Gefühl für die deutsche Sprache erst dadurch bekommen haben, dass sie sich an der lateinischen abarbeiten mussten. Dabei entwickelt sich ein Sinn für Grammatik, für bestimmte Strukturen von Sprache, von dem auch der Deutschunterricht profitiert.

Latein fördert auch andere wichtige Fähigkeiten. Studenten, die in der Schule gut in Latein waren, bringen zum Beispiel ihr Studium eher zu Ende als diejenigen, die das eben nicht waren. Ich unterstelle, dass Latein eine gewisse Disziplin beim Lernen fördert.

Schüler sollten Latein lernen, weil sie mit Latein noch andere Fächer kostenlos mitgeliefert bekommen – etwa Geschichte, Philosophie und Ethik.

Spiegel 14/2006