Ehemalige Abiturientin besucht Shanti Leprahilfe in Nepal

Liebe GEOaner, Eltern und Lehrer,

als GEO-Abiturientin war ich Teil von sieben Nepalbasaren. Das bedeutete siebenmal in der Klasse diskutieren, ob einem etwas Kreativeres als „Süße Grüße“ einfallen, siebenmal Standdienst einteilen und siebenmal in der Adventszeit auch abends in der Schule erscheinen. Im Laufe seiner Schulzeit hat man das Gefühl, man würde das Shanti Lepra Projekt irgendwie kennen, und auch wenn man das Geldausgeben auf dem Basar eher seinen Eltern überlässt, geht man doch mit dem Gefühl nach Hause, irgendwie etwas Gutes getan zu haben.

Fünf Jahre nach meinem Abitur habe ich es geschafft, dem Shanti Dorf in Kathmandu selbst einen Besuch abzustatten und durfte ein Projekt kennenlernen, das noch viel großartiger ist als man sich das vorstellen kann und dem ich am liebsten meine ganzen Ersparnisse überlassen hätte. Es ist überwältigend, mit wie viel Wärme man empfangen wird, was für tolle Menschen man trifft und wie viel Herzblut diese in ihr Dorf und all die Dinge, die sie dort fertigen, stecken.

Nach dem Erdbeben 2015 hat auch Shanti sein Schulgebäude verloren und alle im Dorf mussten noch etwas zusammenrücken, um neue Räume für den Unterricht zu schaffen. Wenn man durch die Gebäude läuft, sieht man überall bunte Bilder, die die Leprakranken an alle Wände und Decken gemalt haben. Teils hängen dort mittlerweile Vorhänge, hinter denen sich Schüler auf Holzbänken vor Tafeln drängen. Wenn man am Ende des Monats vorbeischaut, so wie wir, findet man die Kinder beim Malen, um am letzten Freitag im Monat im Dorf Bilder auszustellen.

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In den Werkstätten liegen haufenweise alte Materialien herum, aus denen Menschen mit unterschiedlichen Handicaps die tollsten Dinge kreieren: Schuluniformen und Decken für Obdachlose aus Altkleidern, Rucksäcke aus alten Gummistücken, Federmappen aus Fahrradreifen und, und, und… Wer dachte, dort wird nur schönes Geschenkpapier und Weihnachtsschmuck gefertigt, wird schnell eines Besseren belehrt! Jeder der möchte, auch die Bewohner des benachbarten Slums, kann sich schulen lassen und dann in den Werkstätten mithelfen. In der Ecke vom Kindergarten sitzen Frauen schon jetzt zusammen, um kleine Engel zu nähen, die in der Weihnachtszeit an die Sponsoren verschickt werden.

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Wenn man in den Innenhof kommt, wird man spätestens auch von der ökonomischen Genialität des Dorfes überzeugt. Dort wird das Wasser in Solarkochern erhitzt und Menschen pressen Papierbriketts aus Altpapier, das von der Botschaft gespendet wird. Nach dem Trocknen auf dem Dach können diese in der Küche zum Kochen verwendet werden, bevor die Asche auf der zugehörigen Biofarm als Dünger dient. Jeder ist konzentriert bei seiner Arbeit und nimmt sich dennoch die Zeit, einen herzlich zu begrüßen, seine Arbeit zu präsentieren und einem das eine oder andere selbstgemachte Geschenk zu überreichen. Man braucht keine Stunde im Dorf, um überzeugt zu sein, dass diese Menschen alles an Unterstützung verdient haben, das wir erbringen können. Besonders schön: Viele Helfer im Dorf, so auch der leitende Arzt der Klinik, sind selbst als Kinder im Shanti Dorf groß geworden und noch immer Teil der Shanti Familie.

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Ich hoffe, dass diese Shanti Erfahrung Anreiz gibt, sich beim nächsten Nepalbasar besonders ins Zeug zu legen und sich auch selbst die ein oder andere Sache mehr zu gönnen, denn das Geld landet definitiv am richtigen Fleck!

Ahlke Kip