10. Klassen besuchen “Die Hochzeit des Figaro” am Oldenburgischen Staatstheater

Die Oper „Die Hochzeit des Figaro“ (Original „Le nozze di Figaro“) von Mozart, aus dem Jahr 1778, handelt von den Klassenunterschieden im Jahr 1780 und von den Intrigen und Missverständnissen am adligen Hof von Almaviva in Spanien, wo sich der Graf Almaviva bei der Verlobten (Susanna) seines Kammerdieners Figaro einschmeichelt und sogar das Recht auf die erste Nacht wieder einführen möchte, um an Susanna heranzukommen.  Die Gräfin Almaviva ist auf ihre Kammerzofe Susanna eifersüchtig und stiehlt sich einige Küsse vom Jüngling Cherubino, der jeder Frau am Hofe nacheifert. Als der Graf Susanna und Cherubino gemeinsam findet, lässt er das Missverständnis nicht aufklären, sondern schickt den Frauenheld zur Armee. Währenddessen versuchen Marcellina, die Haushälterin, und Bartolo, ein Arzt Sevillas, die Hochzeit von Figaro und Susanna zu verhindern, indem sie sich auf das vertraglich gesicherte Versprechen stützen, welches besagt dass Figaro Marcellina heiraten muss, da dieser Schulden bei Marcellina hatte. Jedoch kommt in der Verhandlung heraus, dass Marcellina und Bartolo die Eltern des Figaro sind. Schließlich findet die Hochzeit von Figaro und Susanna statt, nachdem die Gräfin durch eine List den Grafen beim Versuch sie zu betrügen erwischt und dieser sich bei ihr entschuldigt hat.

In Rudolf Freys Interpretation der Oper am Oldenburgischen Staatstheater spielt die Handlung kurz vor dem ersten Weltkrieg (1910), also in einer Zeit, in der sich die Schere zwischen Adel und drittem Stand langsam zu schließen begann. Der Sinn dahinter ist meiner Meinung nach fragwürdig. Eine weitere Fragwürdigkeit ist aus meiner Sicht der letzte Akt, dem es an Organisation und Verständnis fehlt, besonders da die Kostüme nicht gewechselt werden, sondern nur noch in Unterwäsche gespielt wird.

Der stärkste Akt war meiner Meinung nach der zweite Akt, von dem vor allem der Schluss im Gedächtnis blieb, da die Artisten in diesem Moment alles genau auf den Punkt brachten (auf schauspielerischer und musikalischer Ebene). Irritierendes Durcheinander schufen die herumlaufenden Bediensteten und die Positionierungen des Chors: Ihm schien es äußerlich an Struktur und Platzierung zu fehlen. Jedoch war die gesangliche Leistung, wie auch die aller Artisten, auf den Punkt gebracht. Die Stimmlage von Cherubino war eine der höchsten, was ich persönlich nicht ganz als passend empfand. Seine Stimme hätte für meinen Geschmack unter der von Susanna und der Gräfin liegen müssen, aber da dies mit der Stimmlage zu tun hat, ist das nur ein kleines Kriterium. Trotzdem ist mir Cherubino am meisten ans Herz gewachsen wegen der schauspielerischen Leistung der Darstellerin, die die Rolle mit der größten Herausforderung zu tragen hatte, da sie einen Jüngling verkörperte. Auch dem Publikum gefiel die freche, hormongesteuerte Art von Cherubinos Charakter am meisten, denn seine Darstellerin erntete (verdient) den meisten Applaus. Einer weiteren Herausforderung hatte sich der Darsteller des Figaro zu stellen, der spontan in einem fremden Theater einsprang. Zwar gab es zwei Aussetzer im Text, sie wurden jedoch professionell überspielt. Auch andere Darsteller hatten einige Textpatzer, die meiner Meinung nach nicht sehr auffallend waren.

Allerdings bleiben für mich einige Fragen ungeklärt, z. B. warum Figaro im ersten Akt das Geld zählt und nicht, wie im Original, das Bett ausmisst oder woher Susanna das Geld für Figaro nimmt, aber trotzdem hat mir die Aufführung sehr gefallen. Was mich überrascht hat, war, dass die Oper sehr humorvoll aufgeführt wurde und dass die Artisten die charakterstarken Persönlichkeiten während des anstrengenden Gesangs so gut darstellen konnten. Auch das Orchester hat eine Glanzleistung vollbracht. Abschließend kann ich sagen: Es war ein sehr gelungener Abend!